Tanija Letj Nuurd – ein Faun im Bau – Teil I

von Selene

Soo, nun endlich die versprochenen Fotos mit Erklärungen zum Bau von meiner kleinen Tanija! :)

Da wir vieles nebenher gemacht haben, und auch „aviode“ („Digitigrade“-Beine -> Zehengänger) für meinen Liebsten, der Echsenbeine haben möchte, werde ich es nicht nach zeitlichem Aufbau, sondern nach den einzelnen Teilen auflisten, um nicht durcheinander zu kommen.

Fangen wir mal mit der Planung an. Da es eine Planung ist, keine Bilder, sondern nur Verweise. ;)
Den Wunsch nach einem Tierwesen-Kostüm hegte ich schon vor dem LARP, jedoch eher als Cosplay und nie so aufwendig, wie es nun geworden ist. Damals hätte ich eh‘ keinen Grund gehabt, etwas in der Richtung zu bauen. Cosplays besuche ich nicht und warum dann also einen Haufen Geld für so ein Kostüm ausgeben? Dann doch lieber weiter nur darüber lesen und gelegentlich zeichnen (Nein, meine Zeichnungen werden nicht hochgeladen!)…

Doch dann kam das LARP und damit diese vollkommen verrückte Gruppe, die eigentlich nur aus Halbwesen und anderen Kreaturen bestand. Und meinem Schatz. Und dieser trieb mich wieder zu der Kostümidee.
Nagut, warum nicht?

Monatelang suchte ich Anleitungen, Bilder, Erfahrungen von anderen Tierwesenspielern und Bezugsquellen für Fell. Mittlerweile gibt es all dieses zusammengefasst hier zu finden. Hätte es ruhig eher geben können. :P

Bis ich das richtige Fell gefunden hatte, dauerte es seine Zeit. Ich bestellte viele Musterstücke bei verschiedenen Anbietern, frustete über Preise und nervte meinen Briefkasten jeden Abend nach der Arbeit, bis dieser mir wieder einen Umschlag mit neuen Mustern ausspuckte.

Und dann fand ich es: Ein wunderschönes, braunes, locker fallendes Langhaarfell! Schon beim Auspacken war ich überzeugt. Zwar hatte ich mich davor schon einmal in eines verliebt, aber 50 €/m waren dann doch etwas schmerzhaft für das erste Kostüm. Doch dieses Fell kostete nichteinmal ein Drittel des Preises und sah fast genauso echt aus!

Nach Absprache mit meinem Liebsten konnte der Bau dann endlich beginnen.

Die Polster der Beine sind wohl eine der wichtigsten – und schwersten – Teile bei dem Bau gewesen.

Am Anfang stand da dieser Block Schaumstoff, den ich aus einem alten Gästebett (so ein Teil zum „Inne-Ecke-Stellen-und-auf-Ewig-nicht-gebrauchen-weil-nie-Gäste-da“), dass bei uns ewig rumlag und eigentlich auf den Sperrmüll sollte.
Bevor wir mit dem Faun begannen erstellten wir erst Probe-Polster für die Echsenbeine meines Liebsten.

Also:
Aufzeichnen der“menschlichen“ Beinform mit Edding auf ein großes Stück Papier, anzeichnen der geplanten Form der Digi-Beine und ausschneiden derselben.
Bemerken, dass man sich verzeichnet hat und die Proportionen nicht stimmen können, neuzeichnen und nocheinmal anpassen.
Die Zeichnung auf den Block Schaumstoff übertragen und Cutter mit neuen Messern versehen. FORM NACHSCHNEIDEN UND NICHT DEN FINGER! (Vergiss es, passiert sowieso…)
Rundungen anpassen und Rückseiten aushölen, sodass es sich ans Bein anpasst.
Formen nocheinmal überprüfen und vielleicht mal einen Gehtest machen.

Kaufen sie noch heute den PARASIT!

Quelle

Fertig! Dachten wir zumindest…

Dummerweise haben wir einen Tierarzt in der Gruppe, welcher sie sofort als „verkehrt“ deklarierte. Die Knicke der Polster (also die Gelenke) saßen noch an der verkehrten Stelle, mussten tiefer am Knie sitzen und höher in der Hacke. Gesagt, getan.
Version 0.2 saß dann richtiger und wir hatten eine Menge gelernt (und einen Haufen Verschnitt erzeugt, ganz zu Schweigen von einer Menge Schnittverletzungen in den Fingern und ca. 15 nunmehr stumpfe Cutterklingen).

Da das Con, auf dem ich Tanija das erste Mal tragen wollte, langsam in bedrohliche Nähe gerückt war („Ja, ja, Morgen bauen wir weiter..“), erstellten wir dann kurzfristig auch die Beine meines Faunes, dieses Mal mit weniger Verschnitt und weniger Verletzungen – und vor allem in kürzerer Zeit! Wenn wir für die ersten noch mehrere tage brauchten, hatten wir die für Tanija innerhalb von einem Tag (mit Pausen) fertig. Dabei haben wir  ungefähr mein halbes Filmregal (unter anderem Zombieland, Shaun Of The Dead und Enemymind) durchgeschaut und verdammt ungesundes Zeug in uns hineingestopft – aber waren glücklich, es geschafft zu haben! :)

Achja, wir schlussendlich haben wir ca. 25 Cuttermesser auf dem Gewissen. Sie werden nie wieder einem Finger etwas tun. R.I.P. *gg*

To be continued… :)