Ein Faun im Bau – Teil II

von Selene

Teil II

Nachdem die Polster dann endlich fertig waren, ging es dem Faun ans Fell. ;)

Ich hatte mir ca. 5 Meter von dem Langhaarfell (siehe voriger Blockeintrag) bestellt und letztendlich ungefähr die Hälfte davon gebraucht. Allerdings empfehle ich, nicht leichtfertig mit dem Rest umzugehen, da ich es jetzt schon oft für Reparaturarbeiten und Ausbesserungen gebraucht habe. Hinzu kommen die Hufe, die befellt werden müssen und Kleinigkeiten wie Schwänzchen und Ohren (wobei viele da auch eher auf die Kunstohren ohne Fell aus dem Laden zurückgreifen).

Um die Form der Beine in ein Schnittmuster umwandeln zu können, sollte man sich ein großes Stück Papier besorgen. Oder einen Haufen A3-Blätter zusammenkleben.

Da wir in der Firma oft große Stücke über haben, konnte ich darauf zurückgreifen.

Beinpolster ans Bein kleben, auf das Stück Papier legen, einmal außen rum zeichnen (oder zeichnen lassen), ein paar Zentimeter hinzugeben (besser zu viel als zu wenig!), aufstehen und bewundern. ;)

Die Form dann doppelt auf ein Stoffprobestück – ich habe dafür immer billiges Leinen herumfliegen – übertragen und wieder ausschneiden. Das ganze zusammennähen und einmal mitsamt den Polstern anziehen.

Nun hat man schon mal einen kleinen Eindruck des späteren Tierbeines. Letzte Korrekturen sollten unbedingt JETZT stattfinden, um das Fell zu schonen.

Das Langhaarfell hat auf der Rückseite (also „Links“) einen gestrickten Rücken, auf dem man – je nach Farbe des Felles – prima mit einem Edding die Form des Stoffprobestückes nachziehen kann. Um nicht zu verrutschen den Schnitt oder das Stoffstück mit Nadeln feststecken, außerdem, sofern das Fell einen Strich hat (also eine Richtung, in die das Fell fällt und sich streichen lässt) unbedingt auf die Richtung achten, wenn man den Schnitt überträgt! Nahtzugaben (am Besten mehr als 1 cm nehmen, damit es nicht zu schnell „aufrippelt“) nicht vergessen! :)

Nachdem die Form aufgetragen ist, kann man sie vorsichtig mit einer Schere ausschneiden, jedoch sollte man immer nur kleine Schnitte, dicht am Strickrücken machen, um nicht zu viel von den Haaren abzutrennen.

Ich weiß nicht, wie das andere machen (ich kenne einige Anleitungen, mit Tape-Dummys …Dummies?.., in denen nicht einfach nur mit den zwei Seitenteilen, sondern mit mehreren Einzelstücken, je nach gewollter Fellrichtung, gearbeitet wird – für mich als Kostümbau-Anfänger noch etwas zu schwer..), aber wir haben nun diese beiden Teile links auf links – zur Sicherheit mehrmals – aufeinander genäht (wobei wir die Kanten des Fells auf der rechten Seite mit Kreppband weggeklebt haben, um uns später das Rauskämmen zu erleichtern) und dann umgekrempelt.

Das Ganze dann noch ein zweites Mal, schließlich hat man ja zwei Beine. :P

Die Polster haben wir mit Heißkleber (hält sogar nach einem Waschgang und einem seeehr schlammigen Con noch wirklich gut!) von Innen an den Beinen befestigt, wobei sich dann zu den Schnitten noch zwei wirklich fiese Brandblasen an meine Hände gesellten. Seltsamerweise hat mein Liebster während der ganzen Prozedur gerademal einen kleinen Kratzer abbekommen…

Schlussendlich habe ich dann die Beine an eine alte kurze Hose angenäht, was ich nun bitter bereue. Die Beine selbst sind kaum das Problem, aber die schweren Polster ziehen die Hose oft runter und das Fell, dass auf die Hose genäht ist, löst sich langsam aber sicher auf…

Nun ja, jeder fängt mal an und aus Fehlern lernt man. :)

Für die Faunbeine 2.0 (die spätestens nächstes Jahr drankommen) wissen wir nun einige Dinge, die man berücksichtigen sollte:

  •  Cuttermesser werden schnell stumpf, wenn man damit Schaumstoff schneidet (also gleich mehrere Packungen holen).
  • Cuttermesser sind selbst im stumpfen Zustand noch scharf genug, Finger zu zerschnipseln.
  • Wenn du die Möglichkeit hast, einen Tierarzt nach dem Sitz der Polster zu fragen, tu es vorher.
  • Wenn du feststellst, dass du allergisch auf das Fell reagierst, solltest du dir zweimal überlegen, dir daraus auch noch ein Fell-Kopfkissen zu nähen.
  • Wenn du den Schnitt machst, ziehe ihn ungefähr bis kurz unter die Brust hoch, dann brauchst du dir keine Sorgen um das Hosenproblem zu machen so wie wir.
  • Plane immer eine Version 2.0 ein, wenn du Fell kaufst, denn diese folgt unweigerlich! ;)

So viel zu den Beinen und unseren Erfahrungen damit.

Für das nächste Mal habe ich dünnere Polster geplant, da die Beine nun doch etwas sehr massig sind, außerdem werde ich ganz sicher nicht noch einmal auf eine kurze Hose vertrauen! Oh, und ich möchte unbedingt ein paar Flecken im Fell haben, vielleicht bekomme ich das ja hin.

Hm… Eigentlich wollte ich nur einen kleinen Arbeitsbericht mit Bildern daraus machen… Naja, nun ist’s eben eine Anleitung geworden. Vielleicht braucht sie ja jemand. Wenn ja, dann wäre es nett, mir Bescheid zu geben, ob die Anleitung zum Ziel geführt hat – würde mich freuen!  ;)

Der nächste Blogeintrag wird sich dann um „Kleinigkeiten“ drehen, also die Hufe, die Ohren und natürlich das Schwänzlein.

Und irgendwann dann auch noch einer zu der Kleidung Tanis… Später. Irgendwann.